{Buchrezension} Nigel Slater – Das Küchentagebuch

»Es kommt nur darauf an, dass am Schluss unser Essen zum Tellerablecken köstlich ist.«

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Meine neu entdeckte Liebe zu den Büchern von Nigel Slater habe ich ja nun schon des öfteren beschrieben. Das Buch “Das Küchentagebuch. Mit 250 Rezepten durch das Jahr” aus dem Jahr 2014 übertrifft die bisherigen vorgestellten Bücher noch einmal.

Eigentlich sind Kochbücher in der Regel alle gleich aufgebaut, aber Nigel Slater schafft es, jedes Buch individuell und außergewöhnlich zu machen. Normalerweise gefallen mir solch schlichte Bücher wie die von Slater garnicht (denn es sind wenig Rezeptfotos abgebildet), aber trotzdem ziehen mich diese Bücher irgendwie magisch an. Ich hänge mit meinen Augen an seinen Wörtern und finde besonders die ersten Seiten im Buch richtig spannend.

Die ersten Seiten im Buch beginnt Slater mit ein paar einleitenden Worten. Ich finde gerade in diesem Text merkt man einmal mehr, dass Slater kein aufdringlicher Koch ist, sondern viel Wert darauf legt, bodenständig zu sein und sein Essen nicht so hoch zu loben. Er sagt selbst, es ist „nichts Protziges oder Auffälliges, nur ehrliche, alltägliche Sachen“, die er da kocht.

Mein Lieblingsabsatz in diesem Buch ist daher auch dieser, in dem Nigel über sich schreibt: „Ich bin kein Küchenchef und war nie einer. Ich bin ein Amateurkoch, der über Essen schreibt. Nicht einmal ein leidenschaftlicher Koch (was immer das sein mag), nur einer, der still begeistert und ein bisschen gierig ist. Aber, so bilde ich mir ein, ein aufmerksamer“.

Unter der Überschrift „Die Tagebücher“ beschreibt Nigel Slater, wie er seine Küchentagebücher führt: keine kostbar gebundene Küchenchronik, sondern ein schlampiges Kuddelmuddel und Sammelsurium mit unleserlichen Kritzeleien und Kaffeeflecken oder Fettspritzern. Nigel ist es noch einmal wichtig zu erwähnen, dass die Rezepte nur eine Sammlung von Notizen, Vorschlägen und Tipps sind und niemals eine Anweisung oder ein Befehl sind.

Nigel verrät uns auch, dass die Rezepte im Buch nicht tatsächlich ein Jahr wiederspiegeln, sondern die Rezepte aus zwei oder drei verschiedenen Jahren kommen können. Es ist ihm nur wichtig, dass die Tage bzw. Monate passen um die Verbindung zwischen Jahreszeit/Saison und den Lebensmitteln herzustellen.

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Das Buch ist dann tatsächlich nach Datum gegliedert. Der Monat Januar wird mit einem Blumenbild eingeläutet. Auf der nächsten Seite folgt das Datum: 1. Januar. Slater beginnt erst einmal von seinen Gewohnheiten und der Tradition vom 1. Tag im Jahr zu erzählen. Er schreibt, als wenn er es einem guten Freund erzählt. Mit einer solchen Leichtigkeit und Freunde, die direkt ansteckt. Die Rezepte sind wie in den anderen Büchern auch: eher locker gehalten und als Richtwert zu sehen, aber nie als zwingende Vorgabe zu betrachten.

Die Rezepte sind gewohnt, wie in den anderen Büchern auch, keine außergewöhnlichen oder schwer zu bekommende sondern solide Zutaten die man schon direkt im Haus haben könnte.

Rezeptetechnisch bietet dieses Buch einfach alles: Es gibt Gerichte wie Tomaten-Basilikum-Bruschetta, einer Birnen-Tarte, Rosinenbrötchen oder Pudding oder wesentlich aufwendigere Rezepte wie zum Beispiel das langsam gegarte Kaninchen mit Kräutern in Bier oder der gebackene Schweinebauch mit Granatapfelsirup. Die Zubereitungstexte lesen sich aber sehr gut und nehmen die Angst

Das Buch endet mit einem Register.

Fazit: Ein gewaltiges Meisterwerk und endlich mal eine andere Art von Kochbuch! Das Buch kann man auch als Roman betrachten, denn Nigel Slater erzählt gerne und viel über Lebensmittel, seine Einstellung und das Kochen im Allgemeinen. Es macht unheimlich Spaß das Buch zu lesen und ehrlich gesagt liegt es öfter auf dem Sofa oder dem Nachttisch als in der Küche. Was man erwähnen sollte: Dieses Buch sollte man nicht in der Erwartung haben, ein Bilderbuch oder Bildband betrachten – die Rezepte kommen wieder mit kaum bis keinen Bildern aus. Aber komischerweise sind die Bücher von Nigel Slater die einzigen, bei denen es mich nicht stört.

Das Buch aus dem DuMont Buchverlag umfasst 532 Seiten, bietet insgesamt 250 Rezepte und 180 ganzseitige Fotos (gemacht von Jonathan Lovekin). Das Buch wirkt authentisch und sollte einfach in jedem Regal stehen.

 

Wie soll es auch anders sein, das Buch bekommt von mir 6 von 5 Muffins.

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Der DUMONT Buchverlag hat mir dieses Buch kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst dies allerdings nicht.

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